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Fortsetzung v.

Zum Schluss meinte der Mann, der uns helfen wollte, ich solle meinen Mann und meinen Sohn mitnehmen und an der Grenze die Zöllner bestechen. So wollten wir es zuerst machen bis wir uns fragten, was passiert, wenn es uns nicht gelingt? Wird Maximilian verhaftet werden? Auf jeden Fall bekäme er im Reisepass einen Vermerk über seinen Fluchtversuch. Und dann könnte es Ewigkeit dauern, bis man ihm eine Ausreisegenehmigung erteilen würde. So ein Risiko war uns zu groß. Jetzt stand fest, dass wir uns nochmal trennen müssen. Wie sollten wir es bloß Jonas erklären? Ausgerechnet an diesem Tag nannte er mich endlich Mama und hielt überall meine Hand fest. Er stellte uns tausend und eine Frage: Warum dürfen sie nicht nach Deutschland, wenn Mama darf? Warum gibt es Grenzen? Warum kann ich nicht zurückkommen? Werden Papa und er schon in paar Tagen nachkommen? Unter anderen Umständen wäre ich stolz auf meinen Sohn, der so klug war. Wir weinten und trösteten uns gegenseitig.

Die letzte Nacht im Hotel verbrachte ich mit Grübeleien. Ich war nicht zur Einsicht fähig. Wir hatten eine Woche für nichts und wieder nichts vergeudet. Zum Glück verbrachten wir die Nachmittage mit Jonas im Zoo und im Vergnügungspark. Einmal machten wir eine Donaufahrt. Jonas lachen war Musik in meinen Ohren. Würde ich alles genauso wieder tun? Was machst du dir für nutzlose Gedanken, schalte ich mich. Es war, wie es war. Niemand konnte das Schicksal bezwingen. An mir lag es lediglich, das Beste daraus zu machen. Im Stillen machte ich ein Versprechen an Jonas: Wenn er wieder bei mir sein wird, werde ich für ihn da sein, ohne Wenn und Aber. Ich werde ihn nicht mehr im Stich lassen. Das schwor ich, so wahr mir Gott helfe. Im Augenblick blieb mir jedoch nichts übrig, als auf ein baldiges Wiedersehen zu hoffen. Ich spürte, wie mir sogleich leichter ums Herz wurde. Einige Stunden später saß ich mit glänzenden Augen im Zug.

Am nächsten Morgen frühstückten wir gemeinsam und ich begleitete sie dann zum Bahnhof. Jonas fing an zu weinen, weil er seinen Monchichi im Zimmer vergessen hatte. Ich versprach ihn nachzuschicken.

Zurück im Hotel packte ich meinen Koffer und fand den Monchichi unter dem Bett. Das Zimmer verströmte noch immer Maximilians und Jonas Geruch, als ob sie den Raum vor fünf Minuten verlassen hätten.

Jonas ist inzwischen ein junger Mann, aber sein Monchichi von damals hat einen Ehrenplatz in seinem Zimmer.

22.6.16 10:03
 
Letzte Einträge: Ein Brief an mich selbst, Das Bild, Eine Nacht im Zug oder die längste Nacht meines Lebens, Fortsetzung


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